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Das Diätprogramm vielleicht noch voll im Gang, da kommt der Frühling auch meteorologisch schon um die Ecke, ersehnt, aber auch womöglich verfrüht, wenn assistierend die bange Frage mit dem Blick in den Kleiderschrank, zuvor den in dem nichts beschönigendem Spiegel: Bin ich modetechnisch gerüstet für die sonnenhellste Zeit des Jahres?

„Die Dame in Berlin und Wien trägt in diesem Frühjahr Altägyptisch. Die Farben der Saison sind Blau, Rot, Schwarz und Gelb, doch kann das Gelb auch Gold sein. Weg mit der Krinoline (ein steifer und strukturierter Petticoat, der dazu dient, den Rock einer Frau zu halten), deren Comeback bevorzustehen schien, weg mit allem Glockigen und Rundlichen, schreiben die Zeitungen, die neue Mode fordert lange und schlanke Kleider, auch von solchen Trägerinnen, die selbst weder lang noch schlank sind.

Tutanchamun sei herabgestiegen, meldet Mizzi Neumann im ‚Neuen Wiener Journal‘, das Resultat sei der seidene Trikotjumper für das sportliebende Girl. Starke Beachtung findet der Tutanchmun-Jumper - ein Pullover - aus gelben Seidentrikot, aber auch andere Modelle in ihrer leuchtenden Farbenpracht speziell zu weißen Wollröcken und Strickkostümen.

Seit der englische Mumienschürfer Howard Carter im November vergangenen Jahres im Auftrag seines Geldgebers Lord Carnarvon am Nil im Tal der Könige das fast unberührte Grab des Pharaos Tutanchamun samt kostbaren Beigaben entdeckt und der Weltöffentlichkeit von dem sensationellen archäologischen Fund erfahren hat, ist über Europa eine Tutanchamun-Welle hereingebrochen.“

Christian Bommarius,   Im Rausch des Aufruhrs  Deutschland 1923

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Folgender Auszug wurde weit vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geschrieben. Wie da argumentiert wurde, hat aktuell bedingt Gültigkeit mit Nachdruck:

 „Die Angst vor einem noch verheerenderen, weil von Anfang an mit Atomwaffen ausgetragenen Dritten Weltkrieg war berechtigt. ……

…… Weite Teile der westdeutschen Friedensbewegung (in den frühen 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts) waren jedoch auf dem östlichen Auge blind. Bis heute ist mir schleierhaft, wie man in den Jahrzehnten des ‚Kalten Krieges‘ amerikanische Atomwaffen für eine größere Bedrohung des Weltfriedens halten konnte als die tödlichen Arsenale auf sowjetischer Seite. Allzu oft wurden die legitimen Anliegen der west-deutschen Friedensbewegung für antiamerikanische Agitation missbraucht. ……

…… Ich nenne diese Haltung ‚Vulgärpazifismus‘. Wenn zeitgenössische deutsche Pazifisten ihre friedliche Gesinnung in erster Linie damit begründen, dass militärische Abstinenz der sicherste Weg sei, terroristische Bedrohungen von Deutschland fernzuhalten, ist dies nicht nur erbärmlich feige.

Wie wir in den vergangenen Jahren mehrfach erfahren mussten, ist es auch falsch. Wer es mit diesem Pazifismus ernst meint, muss bereit sein, nach jedem erhaltenen Schlag die andere Wange hinzuhalten. Jesus mag der Ahnherr abendländischer Friedfertigkeit sein, der Begründer und Verteidiger der europäischen Demokratie und der Menschenrechte war er nicht.

Verfassungspatriotismus muss beinhalten, seine Werte im ‚Ernstfall‘ auch militärisch zu verteidigen.“

Thea Dorn,   deutsch, nicht dumpf    Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten

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Man kennt es, das dauernde Werten, Urteilen über Dinge, über Menschen, deren Verhalten. Jederzeit eine Meinung! Dieses Vorgehen geschieht meistens zwischenmenschlich – geht aber auch in dieser individuellen Variante:

„Warum drängt es die Gegenwart ständig, über die Vergangenheit zu urteilen? Sie muss ziemlich neurotisch sein, diese Gegenwart, die sich der Vergangenheit überlegen fühlt und dabei die nagende Furcht nicht loswird, dass sie es womöglich doch nicht ist.

Und dahinter steckt eine weitere Frage: Woher nehmen wir uns das Recht zu einem Urteil? Wir sind die Gegenwart, das ist die Vergangenheit: In der Regel genügt das den meisten von uns. Und je ferner die Vergangenheit rückt, desto reizvoller wird es, sie zu simplifizieren. Wir können ihr vorwerfen, was wir wollen, sie wehrt sich nie, sie bleibt immer stumm."

Julian Barnes, Der Mann im roten Rock

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Es sind solche Sätze, warum ich den sogenannten Qualitätsjournalismus - auch unabhängig der politischen Richtung - schätze: „Es gehörte immer zum Geschäftsmodell des Medienimperiums Springer, die Würde des Menschen anzutasten.“ (Süddeutsche Zeitung, 15.04.2023)

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Unsere Lebenserwartung entwickelt sich als Spezies umgekehrt proportional zur Macht unserer Technologien, glaubt der KI-Forscher Michal Kosinksi, denn die Menschen seien eine sehr empfindliche Spezies.

„Es gibt uns (Menschen) noch nicht so lange. Da gab es sehr viel robustere Spezies, die Millionen von Jahre gelebt haben. Die haben sich nicht von Technologien wie Feuer und Werkzeugen abhängig gemacht. Bei uns Menschen reicht es, dass man uns die Elektrizität wieder wegnimmt. Das wäre schon unser Ende.“

Michal Kosinksi, Professor für Organisationsverhalten (Stanford Universität)

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Nietzsche fand Darwins Theorie falsch, nach der die Starken über die Schwachen siegen würden. In seinen Augen geschah genau das Gegenteil, triumphierte die Masse über die Ausnahme. ….

Anpassung an die Umwelt war einerseits Schwäche, minimale Selbstbehauptung durch maximale Selbstverleugnung, andererseits Stärke, maximale Selbstbeherrschung durch minimale Selbstaufgabe. Mit diesem sozialpsychologischen Trick hatte das Christentum als Religion der Schwachen den Sieg über die heidnische Kultur der Stärke davongetragen, statt unterzugehen.

An der Macht gelangt, predigten die Priester, die Führungskader einer erfolgreichen Organisation, Nächstenliebe und Barmherzigkeit, um ihre Herrschaft zu erhalten.

Den Politikern, so ließe sich die These der Herrschaft durch geforderte Selbstrelativierung fortsetzen, gelang der Erhalt des bürgerlichen Staates, indem sie demokratisches Engagement im Rahmen der Verfassung und die Unterwerfung unter den Wählerwillen der Mehrheit predigten. 

Eberhard Rathgeb, Die Entdeckung des Selbst

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Gestern lief im Fernsehen eine Dokumentation mit dem Titel „Schweigen und Vertuschen: Die Todsünden der katholischen Kirche“.

Heute lese ich im Buch über die 1848 Revolution „Die Flamme der Freiheit“ von Jörg Bong über Amalie und Gustav Struse: Das Paar konvertiert, eigentlich evangelisch, zum progressiv-utopischen Deutschkatholizismus, der eine Synthese aus Katholizismus, Protestantismus, Judentum und moderne Wissenschaft sucht und bei dem auch Frauen wählen und kirchliche Posten besetzen dürfen.

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Lesen heißt, mit einem fremden Kopf statt dem eigenen zu denken.

Arthur Schopenhauer

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Heute können Biologen die genetischen Beziehungen zwischen allen lebenden Organismen nachzeichnen, indem sie die ungeheuren Sequenzen von As, Cs, Gs, Ts in ihrer DNA miteinander vergleichen. Die Grundregel lautet, je mehr Unterschiede zwischen zwei Genomen bestehen, desto länger müssen wir zurückgehen, um den letzten gemeinsamen Vorfahren der beiden Arten zu entdecken.

Da wir ungefähr wissen, wie rasch sich zwei verschiedene Gnome diversifizieren, können wir mit einer gewissen Zuverlässigkeit angeben, dass Menschen und Schimpansen vor ungefähr sieben oder acht Millionen Jahren einen gemeinsamen Vorfahren hatten, während Menschen und Bananen seit etwa achthundert Millionen Jahren getrennte genetische Wege gehen.

Durch den Vergleich der DNA, verschiedener lebender Arten sind wir in der Lage Stammbäume zu entwerfen, die sehr viel detaillierter und vermutlich genauer sind als die Stammbäume, die auf fossilen Funden beruhen.

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Ökologen sprechen ... von einer Nahrungskette, vorne stehen die Pflanzen, gefolgt von den Pflanzenfressern, den Fleischfressern und schließlich den Pilzen, die den Reigen beschließen, weil sie vom Verzehr der Toten leben. (Der Mensch mittendrin - nicht am Ende der besagten Nahrungskette!)

Der ganze Prozess ist sehr erfreulich für die energetische Verlaufsrichtung (Entropie), die bei jedem Schritt ihre Müllgebühr einfordert. Fast 90 Prozent der durch Photosynthese gewonnenen Energie geht auf den späteren die Nahrung betreffenden Ebenen verloren, sodass den Tieren, die auf höheren Ebenen der Nahrungskette angesiedelt sind, entsprechend weniger Energie zur Verfügung steht.

Deshalb gibt es weniger Tiere als Pflanzen und weniger Fleisch- als Pflanzenfresser. Die Pilze kommen in beiden Kategorien gut zurecht, weil sie Kadaver recyceln.

David Christian, Big History

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Sämtliche Technologien, die in den letzten Jahren in unser Leben Einzug hielten, hatten einen militärischen Ursprung. Computer wurden während des Zweiten Weltkrieges entwickelt, um feindliche Codes zu entschlüsseln. Das Internet als Kommunikationsmittel für den Fall eines Atomkriegs, GPS zur Ortung von Kampfeinheiten und so weiter.

All das sind Kontrolltechnologien, die zur Versklavung entwickelt wurden, nicht um die Menschen frei zu machen. Nur ein Haufen LSD-geschädigter Kalifornier konnte so dumm sein, sich vorzustellen, ein vom Militär erfundenes Instrument könnte sich zu einem Werkzeug der Emanzipation entwickeln. Und das glaubten viele.

Giuliano da Empoli, Der Magier im K.

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"Die hier versammelten Gedanken habe ich in einer sehr großen Anzahl Schriften und Textsammlungen entnommen.

Gedanken ohne Verfasserangabe habe ich Sammlungen entnommen, in denen ebenfalls die Angabe des Autors fehlte, oder sie stammen von mir.

Die anderen Gedanken tragen zwar die Namen der Autoren, doch leider habe ich beim Exzerpieren nicht genau vermerkt, welchen Werken sie entnommen sind.

Viele habe ich nicht aus dem Original übertragen, sondern aus Übersetzungen in andere Sprachen, und deshalb ist es möglich, dass meine Übersetzungen dem Original nicht immer vollkommen treu sind. Eine andere Ursache, weshalb diese Gedanken nicht vollkommen den Originalen entsprechen, besteht darin, dass nicht selten einzelne Gedanken langen Abhandlungen entnommen sind, wobei ich im Interesse der Klarheit und Vollständigkeit des Eindruckes manche Wörter und Sätze gestrichen und bisweilen nicht nur Wörter durch andere ersetzt, sondern auch einen Gedanken vollständig mit eigenen Worten ausgedrückt habe. Denn der Zweck meines Buches besteht nicht in einer wortgetreuen Übersetzung der Originale, sondern vielmehr darin, unter Zuhilfenahme großer, fruchtbarer Gedanken verschiedener Schriftsteller einem weiten Leserkreis eine leicht fassliche Lektüre für alle Tage zu bieten, die geeignet ist, nur die besten Gedanken und Gefühle zu erwecken.

Ich würde mir wünschen, dass der Leser bei der täglichen Lektüre dieses Buches das gleiche wohltuende, erhebende Gefühl empfindet, das ich bei seiner Zusammenstellung empfand und noch jetzt beim täglichen Nachlesen und bei der Arbeit an der Verbesserung empfinde."

Lew Tolstoi, Für alle Tage - Ein Lebensbuch (Vorwort)

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