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Der Philosoph Thomas Nagel vermutet, dass der Glaube an einen Gott die Überzeugung des Menschen ausdrückt, die Welt wie wir sie wahrnehmen, sei verstehbar. Allerdings nicht für die Menschheit, für eine höhere Instanz jedoch schon. Diese sei uns dann unterm Strich sogar wohlgesonnen, negiere unseren Tod und vertröste uns, betreffend der irdisch begrenzten Vorläufigkeit. Denn anders sei unser Leben doch eigentlich jeder Sinnhaftigkeit beraubt. Mit der Gottesidee bekommt das Leben so den ersehnten Sinn. Ein Wissen über die Existenz Gottes ist gar nicht nötig. Allein der Glaube und die Vorstellung darüber reicht aus, um das absurde Leben akzeptieren und annehmen zu können.

Die Profiinterpreten und Vermittler einer Religion, die Theologen und Priester erinnern uns bei ihren Predigten und ihren uns angetrauten Diensten hin zu Gott und hin zur Wahrheit stets an diese Rollenverteilung: Hier der unwissende Mensch - dort die göttliche Allmacht und die absolute Gewissheit. So auch das Kommunikationsniveau: Dort die Schafe, hier der Hirte, dort die Menschenkinder, hier der Vater. Gottesdienste und Morgenandachten im Radio mit ihrer kindlichen Sprache versetzen einen augenblicklich in Kitasituationen der eigenen Vergangenheit, so wird man wie früher auf die Seite der bedürftigten Ohnmacht platziert.

Warum setzt sich ein mit Vernunft ausgestatteter Mensch solch einer, ja, Erniedrigung aus?  Eine lebenssinnstiftende Macht ist einerseits unermesslich attraktiv für eine sich beschränkt fühlende Kreatur. Die konkrete Botschaft ist mehr oder weniger egal. Als weitere Offerte gibt es noch die übermächtige Vaterfigur. Auch im reifen Menschenalter ist sie an- oder zumindest scheinanwesend.

Schließlich ist da der Ausgleich für das Minderwertigkeitsgefühl im Verhalten gegenüber den Co-Lebewesen. Minderwertigkeit wird mit dem Mittel der Selbstüberschätzung ausgeglichen. Über den gesamten Entwicklungsprozess hinweg betrachtet, verstärken alle Religionen Widerwertigkeiten und zerstörerisches Handeln im menschlichen Miteinander. Es passt eben zusammen, einerseits die Frömmigkeit, andererseits Gefühle von Furcht, Neid, Hochmut, Starrsinn etc. als gewichtige Eigenschaften des Menschen. Gegebenheiten, die auch im säkularen Alltag immer wieder zu beobachten sind: Nach oben buckeln, nach unten treten.

P.S.: Dieser Beitrag wurde heute nach einer knapp vermiedenen Kollision morgens im Straßenverkehr auf dem städtischen Kirchplatz verfasst. Ein pferdestarkes Automobil rechtsabbiegend, ich meine sogar im Innern den Weihbischof an der Lenkradkanzel erkannt zu haben, hatte dem Mindermotorisierten gegenüber, klassisch, seine Ausweichpflicht (im Dänischen: vigepligt - das Wort für Vorfahrt gibt es dort nicht) links liegen gelassen und mich beinahe auf klerikale Art missioniert, also überrollt. Vielleicht schreibe ich zeitnah über einen deutschen Kraftfahrzeug-Führer, der sich in meiner Vorstellung allmorgendlich sein zu beschneidendes Gesichtshaar mit rechter Führhand und mit einer Braun-Apparatur auf Linie und ins Lot bringt.

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Albert Einstein (1879 – 1955), Jahrhundert-Genie, war auch laut eigener Beurteilung kein herausragender Mathematiker: „Mach‘ dir keine Sorgen wegen deiner Schwierigkeiten mit der Mathematik; ich kann dir versichern, dass meine noch größer sind“. Seine allergrößten Charaktereigenschaften und Begabungen waren seine grenzenlose Phantasie und seine unstillbare Neugierde über jede Fachrichtung hinaus. In dem sommerlichen Intermezzo, nun bereits dienstags in dritter Folge, eine ihm allein gehörende Zitatauflistung:

 

Versuche nicht, ein erfolgreicher, sondern ein wertvoller Mensch zu werden.

Es beelendet mich immer, wenn eine feine Intelligenz nicht mit einem guten Charakter gepaart ist.

Ich habe ein Alter erreicht, in dem ich dann, wenn mir jemand sagt, ich sollte Socken tragen, das nicht tun muss.

Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuchs, sie zu erwerben.

Wir können überhaupt nicht denken, ohne unsere fünf Sinne zu gebrauchen.

Falls Gott die Welt geschaffen hat, war seine Hauptsorge sicherlich nicht, sie so zu machen, dass wir sie verstehen können.

Gott stelle ich mir überhaupt nicht vor, sondern begnüge mich damit, die Struktur der Welt zu bewundern, soweit sie sich unserem schwachen Erkenntnisvermögen überhaupt offenbart.

Nationalismus ist eine Kinderkrankheit. Die Masern der menschlichen Rasse.

Mein politisches Ideal ist das demokratische. Jeder soll als Person respektiert und keiner vergöttert werden.

Die Phantasie ist wichtiger als das Wissen. Wissen ist beschränkt, Phantasie umspannt die Welt.

Ich sorge mich nie um die Zukunft. Sie kommt früh genug.

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig.

Ein Leben, das vor allem auf die Erfüllung persönlicher Bedürfnisse ausgerichtet ist, führt früher oder später zu bitterer Enttäuschung.

Nur wer nicht sucht, ist vor Irrtum sicher.

Wenn du ein glückliches Leben führen willst, verbinde es mit einem Ziel, nicht aber mit Menschen oder Dingen.

Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom Ich gelangt ist.

Mathematik ist die einzige perfekte Methode, sich selbst an der Nase herumzuführen.

Es gibt viele Wege zum Glück. Einer davon ist aufzuhören zu jammern.

Ich fürchte den Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit überholt. Die Welt wird dann eine Generation von Idioten sein.

Die einzigen wirklichen Feinde eines Menschen sind seine eigenen negativen Gedanken.

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Ethische Grundsätze sind für viele Menschen an religiöse Überzeugungen und Glaubenssätze gebunden. In einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft stellt sich die Frage, ob das ethisch Gebotene und Gerechte unabhängig von Glaubenssätzen überhaupt Geltung besitzt.

Der griechische Philosoph Platon 428/427 - 348/347 v. Chr. hat seine Philosophie in Dialogform verfasst. Es sind fiktive Gespräche, die meisten Gedanken sind auf seinen Lehrer Sokrates zurückzuführen, der selbst keine Schriften hinterließ.

In dem Dialog Euthyphron wird das Thema Ethik/ Religion diskutiert, zugespitzt in der Fragestellung: „Erwäge indessen folgendes: Wird das Gute, weil es gut ist, von den Göttern geliebt, oder ist es gut, weil es von ihnen geliebt wird?“

Ist etwas ethisch geboten, weil es die Religion vorschreibt, oder schreibt es die Religion vor, weil es von sich aus richtig ist?

Platon gibt dem religionsunabhängigen Richtigen den Vorrang. Dennoch bleibt das Spannungsverhältnis bestehen. Und es bleibt die entscheidende Frage nach der Instanz, die das Gute und Richtige bestimmt.

In autoritären Gesellschaften sind es die Machthaber, die vorschreiben was erlaubt ist und was nicht. In demokratischen Gesellschaften sind es hingegen die in langen historischen Prozessen gemeinsam entwickelten Handlungsnormen. Das macht es nebenbei bemerkt auch so schwierig, mal zügig einer Gesellschaft Demokratie „beizubringen“, denn es sind in der Regel zeitintensive Transformationsprozesse.

Um die Vorteile einer übernatürlichen Instanz zu erkennen, muss man nicht Angehöriger einer Religion sein: Die übernatürliche Instanz befreit nämlich von menschlich, allzu-menschlichen Bürden und Mühen, eine elegante Möglichkeit, sich Lebensverantwortung zu entziehen.

Sehr beliebt ist der Verweis auf das eigene, individuelle Gewissen, um dem Dilemma zu entfliehen. Dies kann dann unmittelbar zu liberalem Gedankengut führen. Stets bequem und mühelos gelingt eine Selbstbezeichnung und Selbstinszenierung als Liberaler in einer demokratischen Gesellschaft. Ursprünglich liberal sein heißt aber, frei in alle Richtungen zu denken, ja, auch frei zu handeln, doch nicht gegen die Freiheit anderer zu agieren.

Den Freiheitsbegriff lediglich für individuelle Interessen zu nutzen, gemeinschaftliche Interessen dagegen zu übersehen, kein „rechts und links“ im Alltag wahrzunehmen, ist keine Freiheitsausübung – es ist Machtausübung, basierend auf Einfluss, Manipulation und Geld. Und führt meist nicht zu himmelweiten freien unbeschwerten Seelenzuständen, sondern eher zu abgrundtiefen Emotionen voller Einsamkeit und Trübsinn.

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Aufgrund der Resonanz des Beitrags aus der Vorwoche ein Nachtrag weiterer Zitate:

 

Ein Diplomat ist ein Mensch, der zweimal denkt, bevor er nichts sagt. Edward Heath

Unser Wissen ist nicht vorhanden, wenn es nicht genutzt wird. Igor Strawinski

Die Ewigkeit dauert lange, besonders gegen Ende. Woody Allen

Wer nicht handelt, wird behandelt. Rainer Barzel

Jedes aufs Geld ausgerichtete Leben ist der Tod. Albert Camus

Beide schaden sich selbst, der zu viel verspricht, und der zu viel erwartet. Gotthold Ephraim Lessing

Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die wir nicht nutzen. Seneca

Mein Gewissen ist rein. Ich benutze es nie. Stanislaw Jerzy Lec

Wahre Worte sind nicht angenehm, angenehme Worte nicht wahr. Laotse

Die Menschen sehen nur das, was sie noch alles haben und bekommen könnten, schätzen aber nicht, was sie haben. Jimmy Hendrix

Eine Uhr, die still steht, geht auch 2x am Tag richtig. Tony Soprano

Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere recht haben könnte. Jürgen Habermas

Ich habe immer eine Sehnsucht nach dummen Menschen. Da ist einfach das Bedürfnis, sich von der eigenen Intelligenz zu erholen. Heiner Müller

Alles, was wir sehen, ist nur ein Schatten, geworfen von den Dingen, die wir nicht sehen. Plato

Der Mensch wird einmal verschwinden, wie im Meeresufer ein Gesicht im Sand. Michel Foucault

In seinen Träumen ist der Mensch ein Genie. Akira Kurosawa

Je besser jemand ist, desto bescheidener beträgt er sich gegen andere. Plotin

Man könnte sagen, dass man nicht sterben sollte, ohne Bücher gelesen zu haben. Aber in Wirklichkeit ist man dann noch nicht geboren. Jochen Schmidt

Jemand, der einen Bohrer kaufen will, will ja keinen Bohrer: Er will ein Loch in der Wand. aus: Selbstgespräche - TV Film

Das Glück ist wie eine Brille. Man sucht sie, bis man darauf tritt und dann ist es hinüber. Annette von Droste-Hülshoff

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Vor 21 Tagen am 23.Juni (χρ τ+_33) wurde hier das philosophische Konzept nach Immanuel Kant skizziert, wonach dem Menschen Grenzen der Erkenntnis gesetzt sind. Ein prinzipieller Einwand dagegen lautet: Eurozentristische Perspektive.

Wesensgleiche Konzepte gibt es jedoch auch in anderen Weltregionen und gehören dort zu den jeweils unterschiedlichen Kulturen. Auch in Indien, wo der Hinduismus vorherrscht:

Nach dem Religionsphilosophen Sarvepalli Radhakrishnan (u.a. indischer Staatspräsident von 1962 bis 1967) sollten Religion und Philosophie zusammen gedacht werden, sie seien begrifflich und inhaltlich nicht getrennt. Beide würden sich vielmehr gegenseitig bedingen und dienen einer Person als eine Angelegenheit, einer Herausforderung zur Selbstverwirklichung, losgelöst und ideologiefrei von jeglichen Glaubens- und Lehrsätzen.

Bei ihm ist der Mensch ein freier Geist, der festgelegte Definitionen und Begrenzungen als Hürden ansieht, diese nicht akzeptiert, kann und will. Die volle Realität sei dem Menschen verwehrt und gehe, ohne dabei zu resignieren über die Vorstellungskraft hinaus. Um der Wirklichkeit ansatz-!, zugleich optimalerweise! habhaft zu werden, greife der Mensch nach Symbolen, erfinde und entdecke zum Beispiel die Kunst sowie die Kultur. Einerseits sei das zwar nur eine Relativierung des Absoluten. Andererseits jedoch der Lebenssinn, das Potential, was in uns Menschen liegt: Endlich! begrenzt - Unendlich! vorhanden.

S.R.: „Immer! sollen wir bemüht sein, das zu werden, was wir als Möglichkeiten in uns begreifen – bleibe nicht unter deinen Möglichkeiten.“

Ähnlich, kurz & bündig Friedrich Nietzsche, europäischer Philosoph mit weitem Horizont, nicht engstirnig: Werde!, der du bist.

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Als Zitatensammler, hier zwanzig davon aus meiner Notizkladde:

 

Diese Gesellschaft hat einen Dachschaden, und es regnet in die Gehirne. Harald Martenstein

Sagt ihnen, ich wurde beim Zigarettenholen vom Pferd geschossen. Michael Gwisdek (Todesanzeige)

Ich versuche zu vermeiden, nach vorn oder zurückzublicken, und versuche immer nach oben zu schauen. Charlotte Brontë

Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit sind häufig Ausdruck eines überwertigen Ich-Gefühls. Dalai Lama

Die Regeln des Glücks: Tu etwas, liebe jemanden, hoffe auf etwas. Immanuel Kant

Reife bedeutet die Möglichkeit, sich selbst aus der Distanz wahrzunehmen. Lorraine Daston

Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist die Fähigkeit, zu beobachten, ohne zu urteilen. Jiddu Krishnamurti

Man ist unglücklich durch das, was man fühlt, und nicht durch das, was man ist. Silly Prudhomme

Du kannst dein Leben nicht verlängern und nicht verbreitern, aber du kannst es vertiefen. Gorch Fock

Der Wegweiser geht auch nicht den Weg, den er weist. Max Scheler

Am Sonntag küss‘ ich dich mündlich. Albert Einstein

Sie können sich nicht vorstellen, wieviel Lob ich vertrage. Bruno Kreisky

Das Problem dieser Welt ist, dass die intelligenten Menschen voller Selbstzweifel und die Dummen voller Selbstvertrauen sind. Charles Bukowski

Wer selbst nicht leuchtet, sollte wenigstens reflektieren können. Thilo Seibel

Ich hatte vor meiner Geburt keine Probleme mit der Nichtexistenz, ich werde sie auch nach meinem Tod nicht haben. Mark Twain

In Deutschland lernt man das Naserümpfen vor dem Naseputzen. Georg Christoph Lichtenberg

Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben. Christian Fürchtegott Gellert

Ich bin eine Null – hinter dem Komma. Coco Chanel

Selbst die dunkelste Stunde hat nur 60 Minuten. Udo Lindenberg

Jetzt sind die guten und alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen. Peter Ustinov

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Es gibt notwendige Eigenschaften für Demokratien: Freie und faire Wahlen, ein unabhängiges Justizwesen, eine auf Gegengewicht beruhende Gewaltenteilung, vielfältige und freie Medien, um nur die wichtigsten zu nennen. Die hier angehängten Beiworte verdeutlichen, dass eine simple Schlagwortklassifizierung heute nicht mehr ausreicht. Auch autoritäre und diktatorische Staaten operieren mit den Begriffen Demokratie, Recht, Öffentlichkeit.

Nur, es ist ein fundamentaler Unterschied, Beispiel, ob eine Staatsspitze ihre Vor-Urteile den Gerichten zuweist, die sie jenen in Abhängigkeit zu endgültigen Urteilen zwingt. Oder ob ein ohn(e)mächtiger Bürger seine legitimen Ansprüche auf dem ihm offenstehenden Rechtsweg notfalls sogar gegen den Staat selbst und seinen Institutionen durchsetzen kann.

Hinter all dem steht ein Menschenbild von je unterschiedlichem Ausmaß. Auch hier lohnt, wie bei so viel Kulturgeschichtlichem der Blick zurück in die europäische Antike. Für den um 700 v. Chr. geborenen altgriechischen Dichter Hesiod ist Recht das Kennzeichen des Menschen: „Lass dir gesagt sein, höre nun auf das Recht und denke nicht an Gewalttat. Solche Ordnung setzte nämlich Zeus den Menschen, den Fischen, allem Getier und fliegenden Vögeln: dass Tiere zwar einander auffressen, weil bei ihnen kein Recht herrscht, während er den Menschen Recht verlieh, das höchste Gut unter allen“. Wer es zeitgemäßer mag, lese z.B. „Individuum und Menschheit – Eine Philosophie der Demokratie“ von Volker Gerhardt, soeben erschienen.

Dass Diktaturen und Unterdrückerstaaten, auch rechtsstaatszersetzende Parteien in freien Gesellschaften, das ursprüngliche Vokabular übernommen haben, dieses jedoch für ihre repressiven Zwecke sinnentleeren und pervertieren, beweist nur den lediglich fadenscheinig umstrittenen, in Wirklichkeit aber weltweiten Geltungsanspruch demokratischer Standards der ursprünglich beim Wort, dem lógos genommenen Bedeutungen.

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In meinem Bundesland haben die Sommerferien begonnen - längere Tage, kürzerer Blogbeitrag,  ;-)  .

Also Ferienzeit. Am vergangenen Samstag hat die Tour de France begonnen. Eine passende Kombination, um in arbeitsfreier Zeit auf ein interessantes Buch hinzuweisen.

„Die unsichtbare Meile“ von David Coventry ist 2015 erschienen und stand monatelang auf der neuseeländischen Bestsellerliste, ist in zahlreiche Sprachen übersetzt, so auch in deutsch, eine Taschenbuchausgabe ist erhältlich.

Der Roman beruht auf Tatsachen, erzählt die Geschichte von 5 Tour de France – Teilnehmern 1928 aus "Down Under" (3 Australiern, einem fiktiven und dem tatsächlich ersten Tour-Teilnehmer aus Neuseeland, Harry Watson). Amateuraußenseiter hauptsächlich aufgrund ihrer Herkunft bei der vielleicht schwierigsten alljährlich stattfindenden Sportveranstaltung (Höllentour) im Radsportparadies Frankreich.

Die sportliche Anstrengung, der sportliche Wettbewerb stand schon immer als Allegorie für das (Über)leben der Menschen im Allgemeinen, allein, miteinander und gegeneinander, sei es als Einzelkämpfer oder Teamplayer. Eine perfekte Urlaubslektüre für Ja zum Leben sagende Menschen.

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Die Generation 60 plus ist bereits verrentet bzw. pensioniert oder steht kurz davor. Sie ist mehr mal weniger privatisiert, was sie wiederum bei jeder sich bietenden Gelegenheit gerne mitteilt. ("Privatiers mit abgeschlossener Vermögensbildung" - Harald Schmidt)

Sie ist hinreichend informiert durch die Medien und durch Gespräche mit ihresgleichen. Spätestens mit dem Club of Rome - Bericht von vor über 50 Jahren weiß die Generation 60 plus um den schlechter werdenden Naturzustand dieser Welt. Viele fühlen sich der Ökologie verpflichtenden Lebensweise nahe, am liebsten jedoch mit einem Gratisetikett auf der Stirn, dann ist sie, die innere Einstellung, gut sichtbar gegenüber der Außenwelt. Verteidigen mit Vehemenz und Gratismut ihre selbstverdient erworbenen Privilegien, u.a. ihr geerbt vermachtes Hab und Gut. Leben selbstverständlich natürlich-nachhaltig, im ökonomischen Bereich oder im zwischenmenschlichen, doch niemals in beiden zugleich.

Übrigens, diese Gruppe glaubt an eine links-liberal-ökologische Mehrheit im Land, allein weil sie sich dieser zugehörig fühlt. Was diese Gruppe auf die Palme bringt, ist Veränderung. Was sie auf die Palmzweigenden bringt, sind an sie adressierte Verzichtsappelle. Sie haben aber ein Kommunikationsmittel für sich entdeckt – Sich empören, Schimpfen, Klagen, dass es einem nicht gut geht, obwohl es einem gut geht, denn diese schizophrene Selbstverzerrung schafft halt Gehör und Aufmerksamkeit im Internetzeitalter und beim Gesprächspartner. Ihr bestes und unschlagbarstes Kommunikationsmittel lautet: Keine Verbote!

Was auch deshalb schizophren ist, weil alles, was früher Regeln und Verordnungen waren, heute aus Motiven des Eigennutzes zum Verbotsduktus umgedeutet wird. Die ordnungsliebenden Deutschen wertschätzen eigentlich Regeln und Verordnungen. Was sie jedoch fürchten, wie sonst nur den Wolf im Märchenwald, sind Veränderungen, womöglich Verzicht. Veränderungen, auch positive, machen sie erstmal haltlos. Was dann folgt bei den meisten: Angst, die sprichwörtliche German Angst.

P.S: Der Verfasser gehört nach gründlicher Selbstbesinnung auch zu Dänen. Ein gesundes Selbstbewusstsein leugnet halt keine Fakten! Und zu diesem gesunden Selbstbewusstsein gehört Selbstkritik, Kritik im ursprünglichen Wortsinn, was da meint, die Grenzen und Beschränkungen einer Sache zu erkennen – Zweifel und das in Frage stellen gehören mit aller Selbstgewissheit, na aber logo, jawohl, dazu.

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Als stoische Philosophie bzw. Stoizismus wird einer der wirkmächtigsten philosophischen Lehren in der abendländischen Philosophiegeschichte bezeichnet. Die von Zenon von Kition um 300 v. Chr. im antiken Griechenland begründete philosophische Richtung erreichte zuerst dort, später um die Jahre vor und nach null unserer Zeitrechnung in der römischen Welt ihren Höhepunkt.

Das besondere Merkmal der stoischen Philosophie ist die offene, auf Ganzheitlichkeit der Welterfassung gerichtete Betrachtungsweise, aus der sich ein aus natürlichen Zusammenhängen waltendes universelles Prinzip ergibt. Vertreter dieser Denkrichtung werden als Stoiker bezeichnet. Für den Stoiker ist individuelles Handeln und die praktische Lebensführung entscheidend, um einen sinnvollen Platz als soziales Wesen in der Gemeinschaft einzunehmen. Das gelingt am ehesten, indem er per Gelassenheit und Seelenruhe sich in emotionaler Selbstbeherrschung übt.

Nach dem Tod seiner berühmtesten Vertreter – Seneca, Gaius Rufus, Epiktet und dem römischen Kaiser Mark Aurel, um die wichtigsten vier zu nennen - stürzte der Stoizismus in eine Krise, seine Bedeutung schwand. Der Mangel an charismatischen Lehrern und der Aufstieg des Christentums waren die Hauptgründe für den Niedergang der einst so populären Philosophie.

Eine Lebensmaxime, wie man von äußeren Umständen unabhängig wird, innerlich gefestigt und unerschütterlich in sich ruhend Zufriedenheit findet. Durch Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung zur inneren Unabhängigkeit gelangen, so die Devise. Die Ataraxie, die sprichwörtlich gewordene stoischen Ruhe: Durch sie wird echte Autonomie erreicht, gegen jegliche Ansprüche von außen und gegen jegliche Art von Gruppenzwängen. Handeln statt Reden ist ein weiterer Leitgedanke. Von den hier erwähnten Hauptvertretern jeweils ein Zitat, sowie zum Schluss ein Literaturtipp:

 Es verblüfft mich immer wieder: Wir alle lieben uns selbst am meisten, und doch ist uns die Meinung anderer wichtiger als unsere eigene.  Marc Aurel (121 n. Chr. – 180 n.Chr.)

 Da jeder Mensch sterben muss, ist es besser, in Würde zu sterben, als lange zu leben.  Gaius Rufus (circa 30 n. Chr. – ca. 100 n. Chr.)

 Erkläre deine Philosophie nicht. Verkörpere sie.  Epiktet (circa 55. Chr. – ca.135 n. Chr.)

 Wer nicht weiß, welchen Hafen er ansegeln will, für den ist kein Wind der richtige.  Seneca (circa 4. Chr. – 65 n. Chr.)

 Die Reise, bei der ich Schiffbruch erlitt, war eine erfolgreiche Reise.  Zenon von Kition  (um 300 v. Chr.)

Jonas Salzgeber: Das kleine Handbuch des Stoizismus. Zeitlose Betrachtungen um Stärke, Selbstvertrauen und Ruhe zu erlangen.

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