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Manchmal hilft der Blick in die Geschichte, um neue Ideen einzuordnen. Oder zumindest in die Parallelgeschichte. Wenn Donald Trump seinen „Board of Peace“ (Friedensrat) ins Leben ruft, klingt das zunächst nach Gipfeltreffen, Händeschütteln und großen Worten. Bei näherem Hinsehen drängt sich allerdings eine andere Assoziation auf: die alten, bewährten Beratungsgremien der Mafia. Nicht wegen der Absichten – versteht sich –, sondern wegen der Methode.
Denn auch dort wusste man: Frieden entsteht nicht von selbst. Er muss organisiert, moderiert und gelegentlich autorisiert werden. Die Commissione der Cosa Nostra ist kein Ort der Romantik, sondern der Regelung. Man spricht miteinander, um nicht aufeinander zu schießen. Ein Ansatz, der erstaunlich modern wirkt. Oder zumindest erstaunlich realistisch.
Der geplante Friedensrat hat, folgt man dieser Logik, ebenfalls eine klare Aufgabe: Konflikte eindämmen, bevor sie eskalieren. Nicht jeder darf einfach losschlagen, nicht jeder Krieg ist genehmigungsfähig. Man tagt, wägt ab, schaut auf Interessen, Einflusssphären, Deals. Frieden als Ergebnis kluger Machtarithmetik, nicht moralischer Erleuchtung. Es sei denn die moralische Erleuchtung geht vom obersten Paten aus.
Apropos: Auch die Rolle des Vorsitzenden passt ins Bild. Kein allmächtiger Weltenlenker, sondern eher ein Moderator mit Hang zur Dominanz. Ein Pate im klassischen Sinne eben: jemand, der weniger durch Regeln wirkt als durch Präsenz, Lautstärke und das Gefühl, dass ohne ihn nichts geht. Konsens ist wichtig – aber bitte einer, den alle freiwillig akzeptieren, weil sie wissen, wer am Kopf des Tisches sitzt.
Und wie beim Crimine di Polsi ließe sich auch hier Ritual denken: Gipfeltreffen, große Kulissen, symbolische Orte. Man trifft sich, zeigt sich, segnet Beschlüsse ab. Die Öffentlichkeit sieht Frieden, die Beteiligten sehen Zuständigkeiten.
Am Ende bleibt die unbequeme Erkenntnis: Ordnung, selbst eine fragwürdige, ist vielen Akteuren lieber als Chaos. Ob im Untergrund oder auf der Weltbühne. Der Unterschied liegt weniger in der Struktur als in der Rhetorik. Die einen nennen es Cupola, die anderen Board of Peace. Stabilität versprechen beide. Und hoffen, dass sie diesmal hält. Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch sie stirbt.