Verschoben

χρ τ +

Während eines Vortrags lehrreich daran erinnert worden, dass Wortbegriffe in Laufe der Zeit ihren Sinn verändern.

Gemeint sind der Begriff Kritik und der Begriff Toleranz.

In beiden Fällen hat sich die jeweils ursprüngliche Begriffsbedeutung verschoben vom anspruchsvollen Sowohl-als Auch zu einem simplen Entweder-Oder. Insofern passt das gut in die heutige schwarz weiß malende Zeit, die vermehrt ohne die Grautöne dazwischen auszukommen scheint.

Im ursprünglichen Sinn der Aufklärung bedeutet Kritik nicht das Verdammen in Grund und Boden, sondern lediglich einen Verweis auf begrenzte Möglichkeiten. Und Kants Kritik der Vernunft, um ein Beispiel zu nennen, meint nicht deren Infragestellung, sondern lediglich deren begrenzte Möglichkeit.

Tolerieren heißt eben nicht respektieren, sondern ertragen bzw. erdulden. Mal eben tolerieren und dann ist alles gut? Nein. Nur eine Sache, eine Person, die ich nicht mag, kann ich, wenn ich dazu entschlossen bin, tolerieren. Und das ist nicht mal so eben erledigt, das ist anstrengend und kann dauern. Mitunter ein Leben lang, :-).