Gerecht leben in einem sozialen Vorzeigeland?

Iustitia, Göttin der Gerechtigkeit, Figur von Hans Gieng (1543)„Verprassen soll nicht der faule Bauch, was fleißige Hände erwarben.“

Gerechtigkeit ist ein großes Wort. Im dritten und abschließenden Teil der Serie nehmen wir Einblick in die deutsche Gerechtigkeitsdebatte. In einem Land, in dem vier Fünftel der Deutschen laut einem Armutsbericht der Regierung meint, es gehe nicht gerecht zu in der hiesigen Volkswirtschaft.

Doch zunächst ein Beispiel öffentlicher Empörung jenseits unserer Landesgrenzen, ein Blick auf das Gerechtigkeitsempfinden im britischen Königshaus, welches der Welt in den nächsten Wochen ein riesiges Medienereignis präsentieren wird. Im September des letzten Jahres kursierte die Pressemeldung, Königin Elisabeth hätte einen Heizkostenzuschuss für ihre Schlösser aus einem Unterstützungsfonds für sozial Hilfsbedürftige beantragt.

Das Portrait

Der "Verlag Westfälisches Dampfboot" in Münster bietet besten Lesestoff - nicht nur in der Weltwirtschaftskrise

Standort des Verlages ist der Kreativkai, Münster (Foto: Rainer Wunderlich)Wie konnte es geschehen, dass die Welt in den bedrohlichsten ökonomischen Einbruch seit den 1920er Jahren geriet? Was kann die Politik leisten, um die Folgen dieses systemimmanenten Desasters für die Menschen in Grenzen zu halten? Der "Verlag Westfälisches Dampfboot" bietet mit seinem Schriftenangebot viel Hintergrundwissen und Anschauungsmaterial auch zu diesem Thema.

Dies ist die Stunde der klugen Köpfe. Schaut man sich derzeit die Bestsellerlisten in der Rubrik Sachbücher an, erkennt man die steigende Leserresonanz an Büchern zur Krise. Paul Krugmann, US-Amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und 2008 Nobelpreisträger für Ökonomie, ist dort an exponierter Stelle mit seiner neuesten Publikation "Die neue Weltwirtschaftskrise" zu finden. Nicht minder prominente Kollegen erforschen den Kapitalismus und Karl Marx' Schriften erfahren eine unerwartete Nachfrage. Dass dabei ein kluger Kopf wie Friedrich Merz mit seinem bisherigen ‚Hauptwerk' ("Mehr Kapitalismus wagen") über fehlendes Timing stolpert, sei in den Zeiten der neuen Unübersichtlichkeit hier lediglich angemerkt.
Alles andere als unübersichtlich, vielmehr mit einer dem Zeitgeist nicht nachlaufenden Kontinuität, präsentiert sich der "Verlag Westfälisches Dampfboot" aus Münster.

Leben zu Beginn eines neuen Weltbildes

Alles, was möglich ist, existiert auch wirklich 

Die verrückte Welt der Paralleluniversen von Tobias Hürter und Max Rauner, Piper Verlag, 288 S., 14,95 €Womöglich passiert soeben eine Revolution und wir kriegen sie gar nicht mit, denn aus der Binnenperspektive wirken Revolutionen oft unscheinbar. Gemeint ist keine politische Revolution, sondern eine im Denken, vergleichbar mit der kopernikanischen Revolution vor 500 Jahren.  

Wenn einer an die Wandtafel schreibt, 2 mal 2 ergibt 375, dann hat er sich nicht verrechnet, sondern es ist irgendwas anderes passiert. Dies stellte der Philosoph Ludwig Wittgenstein fest. Was das sein könnte, dieses andere, darauf hatte aber auch Wittgenstein keine befriedigende Antwort parat. Vielleicht weil unser Universum nur eines von unendlich vielen ist? In denen sich dann unsere Doppelgänger bewegen, die uns bis aufs Atom gleichen, aber in jeweiligen Lebenssituationen „unterwegs“ sind, die in unserer Welt nur als unendliche (!) Möglichkeiten bestehen. 

Glatter Mord

DAS Dokument für die Ablehnung jeden Krieges

The Civil War (Soundtrack), Audio CDStatt einer Rezension, zwei längere Zitate. Von Henric L. Wuermeling, Bayerischer Rundfunk und Klaus Liebe, Westdeutscher Rundfunk.

„Der Vertreter öffnete sein Köfferchen und zeigte mir seinen Filmkatalog. Immer wieder deutete er auf seinen Farbprospekt, auf dem THE CIVIL WAR stand. ‚Elf Stunden Programm in neun Episoden’, sagte er. Er solle mir die Kassetten schicken, bat ich ihn...
Von meinem Blick auf die Uhr ließ ich schnell ab. Was ich hier sah, sprengte jede Größenordnung von Dokumentation, die ich je sah. Eine unaufgeregte, behutsame Erzählform einer Story, die zu den wichtigsten Ereignissen der nordamerikanischen Geschichte gehört. Und da war noch etwas, was mich faszinierte: diese Geschichte aus dem 19. Jahrhundert war ‚durchfotografiert’, eben durch die Erfindung der Fotografie – ein mediengeschichtliches Ereignis. Und dann der sorgfältige Umgang mit ‚oral history’ – Tagebuchaufzeichnungen der Kriegsteilnehmer auf beiden Seiten erzählen ganz persönlich ihre Tragödie.“  (H.L.W.)